7 Wochen im ersten Vollzeitjob – wie steht es um meine Work-Life-Balance?

Am 1. September hatte ich meinen ersten Arbeitstag – nach 5 Jahren leidenschaftlichem Studieren und Freelancer-Dasein, bin ich nun zum ersten Mal Vollzeit-Angestellte. Auch, wenn ich mich immer darauf gefreut habe, hat mir der Gedanke an eine 40-Stunden-Woche, in der ich meine Zeit nicht komplett frei einteilen kann, ein komisches Gefühl bereitet. In den ersten Tagen hat sich dies auch bestätigt: Abends war ich völlig platt und alles, was nichts mit der Arbeit zu tun hatte, verschob sich auf das Wochenende. Nach und nach habe ich jedoch immer mehr in meine Routine gefunden. Von 08:30 bis 17:30 arbeite ich, davor und danach habe ich Zeit und Energie für Me-Time, Hobbys, Haushalt, Freund*innen, Weiterbildung usw. Ich habe nicht das Gefühl, dass dieser Job mich in irgendeiner Weise einschränkt – in Gegenteil, er bereichert meinen Alltag, indem er mir Struktur, Erfolgserlebnisse, Austausch mit Gleichgesinnten, Denkanstöße und Zukunftsperspektiven bietet.

Ich bin selber erstaunt darüber, dass ich das bereits nach wenigen Tagen so empfunden habe. Ich glaube am meisten dabei geholfen hat mir:

  • früh anfangen zu arbeiten, damit ich nach der Arbeit noch Zeit habe, andere Dinge zu erledigen
  • die „eat the frog“-Methode zu nutzen – dadurch, dass ich die „schlimmste“ Aufgabe direkt morgens erledige, fühlen sich meine Arbeitstage entspannter an
  • mich an dem individuellen Arbeitsrhythmus zu orientieren – ich bin zum beispiel morgens konzentrierter und kann nachmittags besser mit anderen zusammenarbeiten und versuche meinen Tag danach zu planen
  • in der Mitte der Woche mindestens 1 Tag Home-Office zu machen, um die Social-Battery aufzuladen, und Aufgaben, die eine besondere Konzentration erfordern, zu erledigen
  • vor dem Feierabend alles aufzuschreiben, was ich am nächsten Tag erledigen möchte – dann rattert es nicht mehr im Kopf und ich kann wirklich abschalten
  • meine Freude über meinen Job und meine Motivation zu pushen, durch Business-Podcasts, Corporate-Tik-Tok und ähnliches

Alle diese Dinge helfen, aber am meisten dazu beigetragen, dass ich mich so ausgeglichen fühle, hat schlichtweg die Tatsache, dass ich den für mich perfekten Job gefunden habe.

Ich würde sagen, ja, um meine „Work-Life-Balance“ steht es gut – aber tue das nicht, weil ich mich mit dem Begriff nicht anfreunden kann. „Work-Life-Balance“ suggeriert, dass es auf der einen Seite die Arbeit (als etwas Schlechtes) und auf der anderen Seite das Leben (als etwas Gutes) gibt. Das entspricht nicht meinem Verständnis von Arbeit. Sie sollte Teil des Lebens sein, nicht sein Gegenspieler. Niemand hat einen Job, bei dem er jede einzelne Aufgabe mit größter Freude erledigt. Natürlich gibt es Dinge, die man gerne, und andere, die man weniger gerne macht. Aber genauso gibt es diese Dinge beider Kategorien im Leben außerhalb der Jobs. Wenn ich in meiner Freizeit Termine bei der Bank wahrnehmen, zum Arzt gehen und mein Bad putzen muss, dann empfinde ich es als positiven Ausgleich, ins Büro gehen zu können und an einem spannenden Projekt zu arbeiten – genauso wie ich es als positiven Ausgleich empfinde, mich nach einem Tag voller Meetings mit einem Buch auf die Couch zu legen. Sich von dieser Polarität von Arbeit vs. Leben zu verabschieden, ist wahrscheinlich der wichtigste Tipp, für ein ausgeglichenes Gefühl im Arbeitsalltag. Wenn man man schon beim Betreten des Büros auf den Feierabend hinfiebert und es eigentlich nur hinter sich bringen möchte, um dann „leben“ zu können… dann werden 40 Jahre voller 40-Stunden-Wochen sich sehr, sehr lange anfühlen. Deswegen, mein wichtigster Tipp für eine gute „Work-Life-Balance“: Wenn ihr irgendwie die Möglichkeit dazu habt, sucht euch einen Job, der euch dieses Konzept hinterfragen lässt.

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