Zahn-Update | Wieso die Wurzelbehandlung nicht funktioniert hat…

Ich habe mir gerade nochmal den Blogbeitrag, den ich Anfang Dezember zu meiner Zahnsituation geschrieben habe, angeschaut. Der Satz „es wird mindestens noch 8 Wochen dauern, bis die Kronen eingesetzt werden und sich damit alles wieder normalisiert“ ist jetzt im Nachhinein irgendwie lustig. Denn: Es sind jetzt 12 Wochen vergangen… 6 weitere Zahnarzt-Termine… die beiden Zähne wurden immer noch nicht mit der Krone versorgt… einer davon befindet sich auch nicht mehr in meinem Mund… sowie 7 weitere. Ich wusste unterbewusst irgendwie damals schon, dass sich die Sache nicht in 8 Wochen erledigen würde, aber dass es eine solche Wendung gibt, hätte ich nicht gedacht.

Aber nochmal von Vorne. Ich habe mir im Oktober eine Zahnärztin in Köln gesucht, weil ich eine Knirscherschiene wollte. Sie hat mir dann gesagt, dass das kein Problem sei, wir allerdings erst die Karies an 5 (ja, ich benutze seitdem Zahnseide, ich hab’s verstanden) Zähnen beseitigen müssten. Okay, easy.. dachte ich. Beim Bohren wurde dann leider deutlich, dass die Karies an zwei Zähnen so tief ist, dass das mit einer normalen Füllung nicht zu retten ist und ich zwei Teilkronen brauche. Scheisse, aber okay, dann bekomme ich halt 2 Kronen… dachte ich. Dann fing einer der beiden Zähne an, weh zu tun und es musste eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden. Aua, aber wird schon… dachte ich. Das war so ungefähr der Stand vom ersten Blogpost, aber die Story geht weiter…

Ich ging dann im 2-Wochen-Takt zurück in die Praxis, bekam die Wurzelkanäle mit größter Sorgfalt gefühlt bis zum Gehirn durchgeschrubbt und immer wieder eine medikamentöse Einlage. Doch die Entzündung ging nicht weg. Ich konnte nicht aufbeißen, hatte jeden Tag Schmerzen und musste meine Zahnärztin immer wieder enttäuschen, wenn sie gefragt hat, ob es dem Zahn denn besser ginge. Sie wurde langsam skeptisch und vermutete, dass irgendwas bei mir nicht stimmt – deshalb wurde dann ein 3D-Röntgenbild gemacht, um zu schauen ob da irgendwas ist, was man auf den „normalen“ Röntgenaufnahmen nicht sehen konnte. (Bzw. sie hatte, wie ich später erfahren habe, auch bei dem „normalen“ Röntgenbild schon eine Vermutung, wollte es mir aber erst sagen, wenn sie sich sicher ist und mir genau sagen kann, was das jetzt bedeutet – etwas, was ich sehr sehr schätze, weil ich sonst von Ärzten eher eine andere Vorgehensweise gewohnt bin und ich zwei Tage vor Weihnachten keine unsichere Diagnose hätte gebrauchen können.)

Ich wusste auch, dass irgendwas nicht normal ist, es kam mir ja auch komisch vor, dass nach der Wurzelbehandlung keine Besserung eingetreten ist, aber mit dem, was man dann auf diesem 3D-Bild sehen konnte, hätte ich nicht gerechnet: Ich hatte 34 Zähne… und es ist in 23 Jahren niemandem aufgefallen. Die beiden, von denen niemand was wusste, befanden sich über meinen letzten Backenzähnen oben und hatten deren Wurzel zerstört, weil sie da schräg reingewachsen sind – deswegen hat bei dem einen auch die Wurzelbehandlung nicht funktioniert. Dieses Phänomen, dass man zu viele Zähne hat, nennt sich Hyperdontie – das ist an sich gar nicht soooo ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist allerdings, dass es nicht im Teenager-Alter im Rahmen der Kieferorthopädischen Behandlung auffällt – da hätte man Schlimmeres nämlich noch verhindern können.

Jetzt war da leider nicht mehr viel zu machen, außer die 2 Zähne, die zu viel sind, sowie die beiden, deren Wurzeln durch sie zerstört wurden, zu ziehen. Die 4 Weisheitszähne sollten dann auch gleich mit raus, weil die eh nicht genug Platz hatten. Und da sind wir dann auch am Ende der Geschichte: Ich habe letzte Woche unter Vollnarkose 8 Zähne gezogen bekommen. Es war kein Spaß Freunde, aber ich bin froh, dass sie draußen sind.

Die Moral von der Geschicht’…

Warum ich diesen Beitrag schreibe? Weil ich selber unzählige Mal nach Gründen gegoogelt habe, warum meine Schmerzen nach der Wurzelbehandlung nicht weg gehen und diese Erklärung nie irgendwo gelesen habe. Ja, weil es super selten ist – ich weiß, dass diese Story für 99,9999% der Menschen, die sie lesen keinerlei Relevanz hat. Aber vielleicht, ganz vielleicht sucht eines Tages jemand im Internet nach Gründen, warum die Wurzelbehandlung nicht funktioniert und dahinter steckt tatsächlich das gleiche Problem wie bei mir – dann hilft dieser Beitrag vielleicht.

Was für die Person dann auch interessant sein könnte: Es gab in der Behandlung tatsächlich schon früher einen Punkt, wo sich der Ursprung des Problems bemerkbar gemacht hat. Nach der ersten Wurzelbehandlung hatte ich das Gefühl, ich würde das Medikament, was sie mir in den Zahn gelegt hat, schmecken. Ich bin dann nochmal zurück in die Praxis, um das checken zu lassen. Sie meinte damals zu mir, die Füllung sei dicht – war sie auch – und ich würde wahrscheinlich die provisorische Füllung schmecken, die länger zum aushärten braucht, weil das nicht mit dieser Lampe gemacht wird. Im Nachhinein ist es sehr wahrscheinlich, dass ich doch die medikamentöse Einlage geschmeckt habe… die Füllung war dicht, sie kam nicht unten raus, sondern oben in dem Loch in der Wurzel, von dem niemand wusste. Ein medizinischer Geschmack im Mund nach der Wurzelbehandlung trotz dichter Füllung kann also ein Indiz dafür sein, dass die Wurzel beschädigt ist.

Und für alle anderen, die keine Probleme mit Wurzelbehandlungen und sonstigem haben, habe ich auch noch ein paar Learnings aus der Geschichte…

  • Lasst euch beraten, ob eure Weisheitszähne raus müssen oder nicht. Ich habe das Thema aus Angst davor nie selber angesprochen und mein damaliger Zahnarzt warum auch immer auch nicht. Nun bin ich mit 24 für eine Weisheitszahnentfernung schon relativ alt und mir wären einige Schmerzen erspart geblieben, wenn ich das früher – als die noch keine so tiefen Wurzeln hatten – hätte machen lassen.
  • Alles Schlechte hat auch immer was Gutes. Ich habe mich so darüber geärgert, dass ich das mit der Karies so weit habe kommen lassen, dass ich die Kronen brauche. Im Endeffekt wäre ohne diese Karies nicht entdeckt worden, was da in meinem Gebiss vor sich ging und wer weiß, welche Auswirkungen das noch gehabt hätte.
  • Ich kann eine Vollnarkose bei der Zahnextraktion – wenn es ein komplizierter Eingriff ist – sehr empfehlen. Man hat danach noch genug Schmerzen. Ich war froh, das nicht miterlebt zu haben, was da in dieser Stunde, in der ich seelenruhig geschlafen habe, passiert ist.
  • Augen auf bei der Zahnarzt- und Kieferörthopädenwahl. Dass meine Kieferorthopädin das damals nicht bemerkt hat, ist die eine Sache. Das kann passieren und kann auch einfach auf ein nicht so hochwertiges Röntgengerät zurückzuführen sein. Allerdings war die Reaktion auf die Konfrontation damit sehr komisch, was mir im Nachhinein das Gefühl gibt, damals nicht in guten Händen gewesen zu sein… was sich dadurch bestätigt, dass ich einen komplett falschen Biss habe, der wohl auch mit dieser Behandlung zusammenhängt – den zu korrigieren wird mein nächstes Projekt.
  • Und zu allerletzt das Wichtigste… eine Herzensempfehlung für alle, die eine gute Zahnarztpraxis in Köln suchen: Dr. Dr. Lingohr und Kollegen in Bayenthal – Frau Kremer für Zahnerhaltung und Frau Lingohr für Oralchirurgie. Ich habe mich über die gesamten 13 Termine hinweg super wohl gefühlt und bin wahnsinnig dankbar, mit diesem Problem in dieser Praxis gelandet zu sein.

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