Über die Macht von Bildern, Anpassungskommunikation & kollektive Verdrängung

Ich weiß nicht, was ihr diese Woche so gemacht habt, aber ich für meinen Teil habe sehr viel Zeit damit verbracht, mir digitale Vorträge und Diskussionsrunden anzuschauen und über das dort gehörte nachzudenken. Diese Woche war nämlich echt spannend für (Klimawandel-)Kommunikationsinteressierte wie mich: Von Montag bis Freitag fand der CSR-Kommunikationskongress statt – diese 5 Impulsvorträge rund um das Thema Nachhaltigkeitskommunikation wurden vom Arbeitskreis CSR der DPRG und des DNWE organisiert. Gleichzeitig fanden an meiner Uni (HMKW Köln) diese Woche 2 hochschulöffentliche Vorträge statt – einmal mit Holger Dambeck, dem Datenjournalisten vom Spiegel zum Thema „Daten sind sexy“ und einmal mit den beiden CEOs der Kommunikationsagentur BCW zum Thema „die Bedeutung von Nachhaltigkeit für Public Relations.“ Ich habe natürlich bei allem aufmerksam zugehört und fleißig mitgeschrieben, verzichte aber an dieser Stelle darauf, über alles im Detail zu referieren, weil es schon sehr fachspezifisch ist und vielleicht nicht die breite Masse begeistert.

Es gibt jedoch einen Aspekt, der fast in jedem Vortrag oder der anschließenden Diskussion in irgendeiner Form aufgetreten und bei mir auch sehr stark hängen geblieben ist, von dem ich denke, dass man kein Kommunikationsnerd sein muss, um sich damit auseinanderzusetzen. Und zwar ist es die Frage, wie wir über den Klimawandel berichten müssen, um die Menschen auch wirklich abzuholen. Ich glaube in der Branche sind wir uns relativ einig darüber, dass die reine Information und Plakatierung wissenschaftlicher Fakten (leider) nicht das ist, was uns Menschen zum Umdenken bewegt. Die Macht von Bildern wird in diesem Kontext immer wieder genannt. Sie sollen uns dabei helfen, Menschen auf einer emotionalen Ebene zu erreichen.

Wo der Konsens dann zum Dissens wird, ist bei der Frage, was eher zielführend ist: Positive oder negative Bilder? Es lässt sich immer leicht sagen, „lasst uns uns eines positiven Narratives bedienen“ und das wäre genau das, wonach die Optimistin in mir ruft: An gemeinsame Werte zu appellieren, die eigene Handlungsfähigkeit zu unterstreichen und zu betonen, wie schön das Leben in einer nachhaltigen Welt ist. Aus Sicht von Unternehmen, die in ihrer Kommunikation auf das Thema Nachhaltigkeit setzen, finde ich diese Herangehensweise völlig legitim. Nach meinem Verständnis liegt es nicht in der Verantwortung von Unternehmen – hängt natürlich zum Teil von der Branche und Unternehmensart ab – über Missstände aufzuklären. Allerdings bin ich nicht nur Optimistin, sondern auch Verfechterin von Ehrlichkeit und Freundin von wissenschaftlichen Fakten. Das erwarte ich auch von Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, über den Klimawandel zu kommunizieren – besonders im Journalismus und in der Wissenschaft, aber auch in der Politik und in NGOs. „Sagen, was ist“ lautet das berühmte Zitat des Spiegel-Gründers und Herausgebers, Rudolf Augstein & genau das würde ich mir auch in Bezug auf den Klimawandel wünschen.

Denn, und das ist mir diese Woche so richtig bewusst geworden, wenn wir uns in unserer Klimawandelkommunikation stets auf ein positives Narrativ berufen, dann lassen wir einen Aspekt völlig außen vor. Und zwar, dass wir die Folgen des Klimawandels so oder so zu spüren bekommen werden. Die Erderwärmung liegt aktuell je nach Quelle zwischen 1,1 und 1,3 Grad Celsius. Und trotzdem spüren wir die Folgen der Klimakrise bereits jetzt – besonders in den Ländern des globalen Südens. So wie es gerade aussieht, sind 2,9 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts locker drin. Und selbst wenn wir die Pariser Klimaziele einhalten und die „deutlich unter 2 Grad“ nicht überschreiten… es wird sich trotzdem einiges Verändern – Extremwetterereignisse, weitere Pandemien, Klimaflüchtlinge sind nur ein Bruchteil der Konsequenzen, die wir zu erwarten haben. Darüber spricht jetzt „keiner“ (= viel zu wenige im Vergleich zu anderen Themen).

Was diese kollektive Verdrängung zur Folge haben wird, sehen wir gerade ganz aktuell an Corona – wir lehnen uns den ganzen Sommer entspannt zurück, obwohl wir wissen, dass da etwas ist um das wir uns kümmern sollten, und sind dann überrascht über Infektionsrekorden, vor denen Wissenschaftler*innen schon vor Monaten gewarnt haben. Das passiert, weil wir keine „Anpassungskommunikation“ – so hat es Axel Bojanowski in seinem Vortrag bei CSR-Kongress genannt – betreiben. Weil wir nicht sagen, was ist und was kommt, wenn diese Realität und die Auseinandersetzung mit ihr unangenehm sind. Was aber noch viel unangenehmer wird, ist unsere Unbeholfenheit im Umgang mit einer eskalierenden Klimakrise, vor der wir die Augen geschlossen haben, „weil man ein positives Narrativ braucht.“

Ich bin große Befürworterin von einem konstruktiven Umgang mit schwierigen Themen und finde, wir sollten keinesfalls in Panik verfallen – nur um das hier noch mal zu betonen. Ich bin FÜR positive Narrative! Dennoch gibt es meiner Meinung nach Momente, in denen es sinnvoller ist, die negative Wahrheit zu verdeutlichen und dann gemeinsam nach Lösungen zu suchen.


Dieser Beitrag ist weder wissenschaftlich fundiert noch sonderlich durchdacht und von mir auf seine inhaltliche Logik überprüft. Vielmehr sind es authentische Gedanken an einem Freitagabend nach einer inspirierenden Woche. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und würde mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung zu dem Thema in die Kommentare schreibt.

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